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Im Winter 1978, um genau zu sein, es war der 25igste Tag, erblickte ich als Wunschkind in Berlin-Köpenick das Licht der Welt. Da ich Sohn einer musikwissenschaftlichen Mutter bin, wurde mir in meinen Kinderjahren gleich ein Piano gekauft, auf welchem ich das klimpern erlernen sollte. Aber irgendwie sah ich gar keinen großen Sinn, die großen weißen und kleinen schwarzen Tasten zu bewegen, um damit Melodien zu erzeugen. So spielte ich viel lieber mit meiner Modelleisenbahn, denn das war ja wesentlich interessanter. Als meine Mutter dies mitbekam, verkaufte sie schweren Herzens dieses musikalische Gerät. Im Sommer 1984 begann langsam der Ernst des Lebens. Ich besuchte eine Grundschule und ver- suchte dort, ordentlich den Unterricht zu verfolgen, was mir eigentlich auch fast immer gelungen war. Nun war die Zeit herangekommen, an einen Schulwechsel zudenken. Welche Schule sollte die richtige sein!? Die Hauptschule fiel schon mal aus auf eine Gesamtschule wollte ich nicht, Gynasium wäre mir zu lange gegangen, also blieb nur noch die Einrichtung der mittleren Reife. In diesen fünf Jahren musste ich mir nun auch Ge- danken über meinen Berufswunsch machen. Ich hatte nur ein Problem, denn meine lnteressensgebiete waren so verschieden wie Männchen und Weibchen. Da ich ein großer Luftfahrtfan war, machte ich mein schulisches Betriebspraktikum in einer Flugzeugwerft bei der Lufthansa in Berlin- Schönefeld. Dieses ganze Projekt dauerte drei Wochen lang und war hoch interessant noch dazu. Von dort an beschloss, ich Fluggerätemechaniker zu werden. Aber halt!!! Technik war doch eigentlich gar nichts für mich, zu mindestens verständlich gesehen. So sah ich mich in der Branche noch ein wenig mehr um und entdeckte den Beruf des Flugdienstberaters. Koordinieren was das Zeug hält, hätte ich mir vorstellen können, wenn da nicht ein Einstellungsstopp gewesen wäre, noch dazu kam, dass mein Schulabschluss dafür auch nicht gereicht hätte. So ging die Suche wieder von vorn los. Eines Tages machten meine Eltern mir den Vorschlag, den Beruf des Kochs zu erlernen mit der Begründung, das ich doch zu Hause auch schon immer fleißig herum brutzele und mich am Herd ausprobiere. Nun machte ich ein zweites Berufspraktikum, diesmal nur als Koch, im Opernpalais unter den Linden in Berlin. Von diesem Tage an, stand für mich fest, das will ich werden. So bewarb ich mich in verschiedenen großen Hotels von Berlin und bekam somit einen Ausbildungsplatz zum Koch im Berlin Hilton. Im August 1994 begann ich nun mit meiner Ausbildung. Ich hatte das Glück, bei der bekanntesten und erfolgreichsten Lehrmeisterin Deutschlands, Frau Thea Nothnagel, zu lernen. Erfolgreich, wegen zahlreicher Wettbewerbe, die sie mit ihren auserwählten Schützlingen gewann. Gleich im ersten Lehrjahr hatte ich das Glück, auserkoren zu sein,um an solchen Berufswettbewerben dran teilzunehmen. Lange Trainings bis in in die späte Nacht hinein, brachten uns zu gemeinsamen Erfolgen. So wurde ich unter anderem „Berliner Jugendmeister 1997“ - „Deutscher Jugendmeister 1996“ - „Olympiasieger im Team B 1996“.Nach drei Jahren harter Lehre wartete nun die Bundeswehr heißhungrig auf mich. Rechtzeitig kümmerte ich mich um eine Anstellung als Koch im Offizierheim Potsdam. Als ich nun nach zwei Monaten Grundausbildung endlich im Offiziercasino gelandet war, traf mich als erstes der Schlag. Pommes-Boulette-Spiegelei, grauer Spinat und Dosensuppen, das sollte die gute Küche sein. Nein nicht mit mir ! Solch eine miese Küche hätte ich nun bei weitem nicht erwartet. Kurzerhand setzte ich mich mit dem Vorstand der Einrichtung in Verbindung und äußerte meinen Unmut. Nacheinem kurzen Gespräch wurde ein Probekochen mit meinen Vorstellungen abgemacht. So konnte ich den Herren mal zeigen, wie ich das Kochen gelernt habe. Welch ein Glück hatte ich! Das Essen fand bei allen Beteiligten großen Anklang. So wurde von Tag an nur noch auf der gehobenen Schiene gekocht. Zwei Monate später hatte ich das Glück, Küchenchef zu werden und modelte, mit einem sehr guten Team die gesamte Küche um. Nun war der Standard fast erreicht, und wir waren immer noch nicht zufrieden. Die Küche war irgendwie klein und unpraktisch. Da zu diesem Zeitpunkt wahrscheinlich noch “ein paar Mark“ für einen kompletten Küchenumbau im Haushaltstopf der Bundeswehr vorhanden waren, hatte ich das Glück, mit meinen jungen Jahren die Küche selbst zu entwerfen. Kurzerhand entfernte ich auf Papier Wände, errichtete neue und zeichnete mir meine Wunschküche auf. An, runden Tisch mit diversen Küchenmeistern wurde mein Projekt bis auf Kleinigkeiten hingenommen, und die Küche wurde umgestaltet. In der Zwischenzeit verlängerte ich meinen Grundwehrdienst auf 23 Monate und anschließend nochmals auf insgesamt 4 Jahre. Es war eine tolle Herausforderung, in solch jungen Jahren ein Küchenteam von durchschnittlich 7 Köchen und Veranstaltungen bis zu 200 Personen zu führen. Aussagen von Gästen zu Folgen, war unser kulinarischer Standard mit der Hotel Adlon Küche zu vergleichen.
Große Fehler durften wir uns auch gar nicht leisten, da wir oft ausländische und hochrangige Militärs und auch Politiker bei uns zu Gast hatten. Nach drei Jahren Dienstzeit im Offiziersheim in Potsdam bekam ich ein Angebot, von welchem ich schon immer irgendwie geträumt habe. Das Bundespräsidialamt, der Sitz des Bundespräsidenten, suchte einen Koch. Ohne langes Überlegen machte ich meine Bewerbungsunterlagen fertig und schickte sie ins Schloss Bellevue. Nach geduldigen zwei Wochen bekam ich endlich eine Einladung zu einem Vorstellungsgespräch. Leider war ich nicht der einzigste, der Lust und Laune verspürte für den Bundespräsidenten und seine Gäste zu kochen. Mehr als fünfzig Bewerber wollten diese Chance nutzen. Wie sag ich es immer: „ Kochen ist Glückssache“, und dies muss ich auch damals im Frühjahr 2000 gehabt haben, denn zu den drei Auserwählte gehörte ich. Noch lange war die Hürde der Einstellung nicht geschafft. Kleinere Vorstellungsrunden, Probekochen und letztlich die persönliche Bekanntmachung mit dem Bundespräsidenten standen an der Tagesordnung. Seit Juni 2000 bin ich als Koch und Mitarbeiter der persönlichen Betreuung des Bundespräsidenten und seinen Gästen tätig. Zu Beginn meiner Dienstzeit im Bundespräsidialamt stand das Kochen leider einwenig im Hintergrund. Menüs bis zu 10 Personen durfte ich kochen. Das hat mich natürlich als leidenschaftlicher Koch nicht befriedigt. Um einwenig mehr sich dem kulinarischen Höhepunkten hinzugeben, habe ich im Oktober 2000 als Mitglied der Jugendnational- mannschaft an der Kocholympiade in Erfurt teilgenommen. Nicht als Alleinkoch bin ich angetreten, nein, im Team der Jugendnationalmannschaft. Mit viel Kraft, Ergeiz und Spaß sind wir gegen 18 Nationen aus aller Welt, wie Australien, USA, Israel, Russland usw. angetreten. Als Dank für unseren Kampf im Kochen erhielten wir bei der Siegerehrung die Goldmedaille. Man glaubt gar nicht, was das für Emotionen in solch einem Moment sind.Dieses Gold wurde uns allen erst am Abend so richtig klar. „Wir haben gewonnen“ Nach dem Sieg in Erfurt ging es mit dem Kochen im Schloss Bellevue stetig aufwärts. Aus zehn Personen Menü wurden auch mal schnell dreißig und aus fünfzig Personen Empfang wurden bis zu vierhundert Gäste. Mein Ziel war es zu beweisen, dass die Herstellung von Menüs, Empfängen & Co in eigener Regie kostengünstiger ist, als wenn Caterer die Veranstaltung ausrichten. Des weitern ist zu meinem Aufgabengebiet die Auswahl der
Weine hinzugekommen, was sich wunderbar mit dem Kochen verbindet. Nichts harmoniert besser zusammen als der Weinkeller und die Küche. Die Zielsetzung im Bundespräsidialamt ist: regional, saisonal und keine Luxuslebensmittel, wie Kaviar, Trüffel usw. Beim Wein ist es genauso, wie bei den Lebensmitteln. Es werden nur Deutsche Produkte gekauft. Es müssen doch nicht immer Austern aus der Bretagne, Rinderfilet aus Argentinien, Mangos aus Thailand, Lamm aus Neuseeland sein, wenn die einheimischen Produkte so nah und auch Qualitativ hochwertig sind. Wer einmal Lamm von der Müritz, Forellen aus dem Schwarzwald, frisches Obst und Gemüse aus einheimischer Produktion, komplexe Rotweine und saftige Weißweine aus einem der dreizehn Weinanbaugebiete probiert hat, der weiß das man Lebensmittel und Genussmittel nicht aus aller Welt braucht. Es macht immer wieder Spaß und Freude dem Bundespräsidenten und seinen Gästen die Deutsche Küche und - Weinwelt in ihrer Vielfalt näher zubringen.
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